Jürgen Schötteringk

Seid gegrüßt, ihr Bübelein und Mägdelein, wenn ich mich euch vorstellen dürfte, mein Name ist Jürgen Schötteringk und ihr betrachtet gerade mein Portal, welches ich 1617 in meinem Haus in der Großen Reichenstraße 49 errichten ließ. Ich bin in Holstein geboren und habe dort den Handel gelernt. Später bin ich nach Hamburg gezogen und habe dem besten Geschäftsmann meiner Zeit, welcher Imon Hartiges hieß, meinen Dienst angeboten. Ich bewies ihm Fleiß und Treue, sodass er mich in seine Familie aufnahm und mich sogar mit seiner einzigen Tochter verheiratete: Margarete Hartiges. Sie gebar mir sechs Kinder.
Gott befahl sie 1595 zu sich, möge sie selig sein. Im selben Jahr starb mein Geschäftsherr und Schwiegervater. Ich erbte das Vermögen. Nun heiratete ich Anna von Holten, die Tochter des Bürgermeisters Dieterich von Holten, welche mir neun Kinder geboren hat. Die Bürger zeichneten mich durch verschiedene Ehrenämter aus und wählten mich zum Oberalten. Ein Oberalter ist jemand, der für die Verteilung der Gelder, welche in den vier Hauptkirchen in den Opferstöcken gesammelt wurden, verantwortlich ist. Die Gelder sind für Bedürftige. Ich stamme aus ärmlichen Verhältnissen, ich ward jedoch in Hamburg zu einem der reichsten Männer der Stadt. Die Leute munkeln, ich besäße eine Million Mark. Sollen sie nur reden.
Jetzt habe ich aber zu viel über mich erzählt…
Kommt doch rein ich zeige euch mein Haus. Gleich wenn man hineinkommt ist eine große Diele - das macht Eindruck. Hier ist auch meine Seilwinde mit der man das Gelagerte nach oben transportieren kann. Mein Haus ist wie alle Kaufmannshäuser lang und schmal, aber mein Haus hat 5 Achsen, das ist viel für ein Kaufmannshaus. Die vordere Seite ist reich verziert und hat auch eine extra Tür für die Arbeiter. Vorne an meiner Diele ist meine Schreibstube. Dahinter ist die Dornse, das ist mein schön geheizter Raum indem ich Gespräche über Geschäftliches oder Privates führe. Dahinter ist die Küche aber ich bin dort kaum, da ist meine Frau am Werke. Von dort gibt es eine Treppe in den Keller wo wir unsere Vorräte lagern. Im ersten Stockwerk gibt es nur Schlafräume und Kleiderzimmer. Ab dem dritten Stockwerk sind nur noch Lagerräume vorhanden, in denen meine Waren aus aller Welt gelagert werden.


Der Alltag der Frau

Mein Name ist Anna von Holten, ich bin die Frau von Jürgen Schötteringk. Ich habe ihm schon neun Kinder geboren. Jede Geburt ist ein Gottesgeschenk und eine große Gefahr. Alle Kinder werden im Hause geboren. Schon Tage zuvor schrubben die Mägde mein Schlafgemach. Dann wird der Geburtsstuhl geholt, auf denen ich in den Stunden, in denen es um das Leben meines Kindes und meines gehen wird, hocken muss. Aber ich will es nicht zu erschreckend schildern. Nach neun Kindern ist es fast eine Gewohnheit. Bis zum Einsetzen der Wehen führe ich meinen Haushalt. Wenn die Wehen dann einsetzen, muss eine Hebamme kommen mit Nadeln, Faden, einer Schere. Sie braucht warmes Wasser, einen Schwamm, etwas Wein und frisches Salz. Mit all diesen Dingen wird sie mich und mein Kind waschen, die Nabelschnur durchschneiden und alles schön sauber halten. So, und mit Gottes Hilfe, werden wir die Taufe erleben.
Ich bin die Herrin über Knechte und Mägde, über Köchin und Waschfrau. Ich kaufe alles, was das Haus braucht, mit Einverständnis meines Mannes, ein. Natürlich verfügt er über das Geld, aber ich mache die Bestellungen: Leinen, Wolle, Kerzen, Wein, Bier, Getreide, Wurst und Fleisch, Brot und Fisch. Im Garten hinter dem Haus ziehen wir Kräuter und Gemüse, und Hühner und Schweine stehen in den Ställen. All das ist mein Reich. Am Waschtag befehle ich das Gesinde, lass sie Lauge ansetzen, Leinen dämpfen und zur Bleiche tragen. Das ist die Arbeit jeder Hausfrau.
Ich bin meinem Mann zwar untergeben, wenn er aber sterben würde, dann wäre ich seine Erbin. Doch eine Frau allein kommt nicht zurecht, nicht mit dem Geschäft und den vielen Kindern. Ich müsste mir einen neuen Ehepartner suchen, ob ich wollte oder nicht.


Symbolbeschreibung

Auf dem Portal sind Wappen, Schriften und vieles mehr zu erkennen. Das Wappen rechts oben ist von meiner Frau aus der Familie Hartiges und links oben von meiner anderen Frau aus der Familie Holte. Auf dem Portal kann man eine Schrift erkennen: „Facilius est reprehendere quam imitari.“ Dies heißt übersetzt: „Es ist leichter zu tadeln als nach zu ahmen.“ Auf der Rückseite ist neben zwei Schmucksteinen mit Blumen-Gehängen auch noch eine Kartusche mit dem Buchstaben „RB“ angebracht. Das ganze Portal steht auf festen Säulen, es soll zeigen, wem ich verbunden bin und wie solide unser Reichtum ist.