Wie sah das Gebäude ursprünglich aus?

Das Eingangsportal vom Rödingsmarkt 60 wurde 1631 gebaut und später noch weiter verändert. Eine auffällige Veränderung ist der Name Winkler, der um 1728 angebracht worden sein muss, als Martin Winkler das Haus und Grundstück von der Familie Moller vom Baum übernahm. Das Brauerbe am Rödingsmarkt kam 1558 in die Familie Moller, als es Gertrud, geborene Borgentrick, erwarb. Gertrud war die zweite Frau des Vincent Moller vom Baum, der als Ratsherr für Hamburg in den Reformationskriegen Verhandlungen führte. Gertrud überlebte ihren Gatten um siebenunddreißig Jahre. Mit den Kindern aus seiner ersten Ehe lag sie im Streit. Vermutlich erwarb sie darum aus eigenem Vermögen das Haus am Rödingsmarkt, um es ihren leiblichen Kindern zu vererben. Sie überlebte aber ihren erstgeborenen und ihren auch zweitgeborenen Sohn. Dieser ist in Rouen ertrunten. Ihr dritter Sohn, Diedrich, geboren um 1536, erbte 1591 das Haus. Er arbeitete erfolgreich als Kaufmann, war 1574 Baubürger und 1586 Kirchenvorstand zu St. Nicolai. Sein Sohn Vincent studierte in Heidelberg Recht. Er brachte die juristische Tradition in die Familie. Doch der 1618 verstorbene Vincent Moller sollte nicht das Familienerbe am Rödingsmarkt erhalten: Sein Weg führte ihn nach Bremen, wo er 1608 Bürger, 1611 Syndikus und 1615 Ratsherr wurde. In Regensburg erhielt er 1613 den Reichsadelstitel. Sein Bruder Dietrich erbte 1601 das Haus am Rödingsmarkt. Er setzte die kaufmännische Tradition in Hamburg fort, war 1619 Ältermann der Wandschneider, wie sein Vater wurde er Jurat in St. Nicolai. Mit derselben Urkunde wie sein Bruder erwarb er den Reichsadelstitel. Beide waren nun Stadtbürger und Adlige. Sie trugen aber kein „von“ im Namen. Seit 1618 war der Oberalter zu St. Nicolai. 1621 wurde er Ratsherr. Er betätigte sich zusätzlich zu den Ämtern, die in seiner Familie Tradition hatten, als Klosterbürger. Das bedeutete, dass er als Berater und Verwalter den Stiftsdamen im St. Johanniskloster zur Seite stand, im Notfall auch mit seinem Vermögen. Einen Teil seines Vermögens lieh er 1623 der Stadt: 5000 Pfund für das fünf Jahre zuvor gegründete Zuchthaus. Einerseits wird dies eine gewinnversprechende Geldanlage gewesen sein, meist erhielten die Gläubiger 5% Zinsen, andererseits war die Stadt auf solche Unterstützung durch Mitglieder der Oberschicht und des Rats angewiesen, denn es wurden neue Befestigungsanlagen gebaut. Dietrichs Sohn Dietrich war Eigner des Erbes, als das Portal errichtet wurde. Während sein jüngerer Bruder Vincent nun Juristen-Karriere in Speyer als Kaiserlicher Advokat machte, war Dietrich Kopf dieses Zweiges der Familie Moller vom Baum. Er blieb aber unverheiratet und kinderlos. Nach Dietrichs Tod 1648 ging das Erbe auf seinen Bruder Vincent über, der in Speyer als Kaiserlicher Advokat und Prokurator am Reichskammergericht diente. Dort hatte er eine Familie gegründet. Erst als die Truppen des französischen Königs Ludwigs XIV. 1689 Speyer zerstörten, kehrte Vincents Tochter Catharina Cecilie, die Erbin des Hauses am Rödingsmarkt, nach Hamburg zurück. Der Besitz der Familie in Speyer ging verloren. Catharina Cecilie lebte fortan am Rödingsmarkt. Sie vermachte das Haus und das Erbe testamentarisch 1704 an ihre Enkel.