Bericht aus dem Spinnhaus von Johann Jacob R.

Moin, mein Name ist Hannes. Ich wohnte vor und nach meiner Zeit im Spinnhaus zu Hamburg im Grünen Sod. Der Grüne Sod ist eine der ärmsten Gegenden Hamburgs. Da ich mehrmals geklaut habe, wurde ich für vier Jahre (vom 3. Januar 1818 – 3. Januar 1822) in das Spinnhaus zu Hamburg, bei schwerer Arbeit eingesperrt. Als ich eingesperrt wurde, war ich 26 Jahre alt, Ich wurde am 2. Januar beim Klauen erwischt. Was war mir übrig geblieben? Seit meiner Kindheit hatte ich nichts getan als Sachen beim Entladen von Ewern im Hafen schleppen, oder Holz hauen. Und als ich beim Holzhauen ein paar Scheite mitgehen ließ, weil es auch so verdammt kalt war in unserer Kellerwohnung, da wurde ich eingebuchtet. Erst am 3. Januar 1822 wurde ich dann, genau vier Jahre später, von der Polizei wieder abgeholt und freigelassen. Während dieser Zeit habe ich gelitten, da ich schwere körperliche Arbeit wie zum Beispiel Holz raspeln und Spinnen verrichten musste, ohne mich mal strecken oder ausruhen zu können. Also Arbeit bis zum Umfallen, aber diesmal ohne die mickerigen Löhne, die ich vorher bekam. Ich habe allerdings auch einiges gelernt wie zum Beispiel, dass man versuchen sollte, auf andere Arten sein Geld zu verdienen. Nicht einfach Klauen, das lohnt nicht, wenn man dafür hier herkommt. Zu essen gab es Rumfordsche Suppe, eine Graupen-Erbsen-Suppe mit Speck. Ich glaube, ich werde nachher NIE wieder Graupen, Erbsen oder gar Speck, welchen ich vorher so gerne mochte, essen. Echt schrecklich, jeden Tag diese Suppe! Morgens gab es Bier “zu essen“, mittags und abends immer wieder die gleiche Suppe, Tag für Tag. Wer Glück hat und eine Famlie, die ihm etwas Geld zusteckt, der konnte sich andere Nahrungsmittel kaufen: Brot und Schnaps. Verkaufszeit ist allerdings nur um 8:00 Uhr und um 15:00 Uhr. An den anderen Zeiten hatten wir kein Recht etwas zu holen. Im Spinnhaus habe ich eine Freundin aus meiner Kindheit wieder getroffen. Nachdem ihr Vater gestorben war, mussten sie und ihre Mutter sich zur Prostitution verkaufen, um ihre Familie zu versorgen, sie wurden erwischt und ins Spinnhaus gesperrt die restlichen Kinder kamen in ein Waisenhaus. Die Frauen sind hier die Mehrheit. Die meisten haben ein bis zwei Jahre wegen Unzucht bekommen und das nur, weil sie einen Liebsten hatten und der ihnen ein Balg gemacht hat. Heiraten durften die armen Dinger ja soundso nicht ohne teures Aufgebot. Nun sitzen sie hier und verstehen ihr Unglück nicht. Sie spinnen Wolle und Leinen zu Garn. Ich glaub, halb Hamburg trägt ihre Arbeit auf dem Leib. Wenn ich hier rauskomme, mache ich was anderes. Nur kann ich kaum was, hab nichts gelernt als Schleppen oder Holzhauen. Aber bevor ich wieder für einfaches Klauen hier lande, werde ich Räuber. Vielleicht mit einem Gewehr. Ist doch besser, gleich gehängt zu werden, als hier zu landen.

Die Gründung des Spinnhauses

Der Rat gab den Auftrag, das Spinnhaus zu bauen. Herr Georg Haccius war der Pastor. Architekt war Hans Hamelan. Senator Renzel hat das Spinnhaus gestiftet. Er war außerdem Mitentwickler der Idee des Spinnhauses. Er wollte, dass man nicht körperlich versehrt oder man getötet werden sollte, sondern, dass man durch körperliche Arbeit sich besinnt und sich bessert. Senator Renzel lebte vom 1610-1662. Er stiftete neben dem Spinnhaus, welches er durch sein Testament zu bauen anordnete, auch 1657 den Barockturm für die St. Nikolaikirche und den Barockturm mit der vergoldeten Krone für die St. Katharinenkirche. Es gibt in Hamburg auch eine Rentzelstrasse.

Leben im Spinnhaus

Das Spinnhaus war groß. Insgesamt hatte es eine Fläche von 17370 Quadrat-Fuß, wovon die Kirche alleine 2975 Quadrat-Fuß einnahm. Auf dem Vorplatz waren große Schränke, in denen die Kleidungsstücke aufbewahrt wurden. Alle mussten grobe grüne Kleider über den Hemden tragen. In einem Saal schliefen und arbeiteten 7, höchstens 8 Gefangene. Ein jeder hatte sein eigenes Bett. Aber Menschen, die schwerere Verbrechen wie wiederholte Prostitution oder Diebstahl begangen haben, schliefen in Kojen bzw. kleinen harten gemauerten Behältnissen. In den Strafkojen, in welche man kam, wenn man sich im Haus noch schlecht benahm, gab es keine Betten und kein Licht. Die Säle waren mit Kalk gestrichen, die Kojen mit Gips ausstrichen. Es stank fürchterlich. Der einzige gute Ort war die Kirche. Es waren immer weniger Männer als Frauen dort. Die meisten hatten uneheliche Kinder zur Welt gebracht. Viele, weil sie gar nicht heiraten durften. Sie haderten sehr mit ihrem Schicksal, weil sie nicht einsahen, dass ihre Schwangerschaft ein Verbrechen war.

Der Tagesablauf

Der Tagesablauf war sehr genau geregelt. Morgens nach dem Aufstehen musste man in die Kirche in den Gottesdienst. Danach gab es Frühstück, meist nur Bier. Anschließend musste man arbeiten bis zum Mittagessen (Rumfordsche Suppe) und wieder in den Gottesdienst gehen. Als nächstes wurde wieder bis zum Abendessen (wieder Rumfordsche Suppe) gearbeitet und danach mussten alle schlafen gehen. Nach so einem langen Tag waren die Insassen erschöpft und hatten keinen Gedanken an anderes als an das Überleben.

Symbolbeschreibung des Portals

Das Portal sagt uns, dass der Abschaum der Gesellschaft, der durch das Portal geht, sich später durch die Arbeit im Spinnhaus in die Gesellschaft eingliedert. Außerdem erhält er Ehre, Wohlstand und Glück.

Das Füllhorn in der linken Hand der rechten Frau steht für Glück und Wohlstand.
Der Erntekranz in ihrer rechten steht für die Ehre.
Die Traubenzweige der linken Frau in ihrer linken Hand stehen für Fruchtbarkeit.
In ihrer rechten Hand hält sie einen Getreidekranz, dieser steht ebenso für die Ehre, die die Menschen nach der Arbeit im Spinnhaus erhielten.
Auf den oberen Sockeln ist das Baujahr (1666) des Portals eingemeißelt.
Die mageren Löwen stehen für die Menschen, die in das Spinnhaus kamen.
Die lateinische Inschrift lautet übersetzt: „Nach der letztwilligen Verfügung des Herren Peter Renzel seligen Angedenkens… ist zur Ehre Gottes und zur Besserung der Übeltäter dieses Arbeitshaus auf seine Kosten erbaut worden. In der Mitte ist das Wappen des Senators Renzel zu sehen, dieser hat das Spinnhaus gestiftet.
Die Säulen des Portals enden in einer Art Krone.