Das Spinnhaus damals

1669 wurde schräg gegenüber vom an der Alster gelegenen Zucht- und Werkhaus das Spinnhaus errichtet. Hinter dem Spinnhaus lag an der Alster der Holzhof, ein großes unbebautes Terrain, auf dem Holz gelagert wurde. Das Spinnhaus war ein Gefängnis und bestand aus zwei rechteckigen Gebäuden, mit einem Hof. Im größeren Vorderhaus lag die Kirche, im hinteren Haus befanden sich, getrennt nach Geschlechtern, die Arbeits- und Schlafsäle der Gefangenen. Ins Spinnhaus kamen in erster Linie Frauen, deren Lebensweise nicht den moralischen und sittlichen Vorstellungen der damaligen Zeit entsprachen. Das konnte Prostitution sein, aber auch auffälliges Verhalten, oder „unzüchtiger Lebenswandel“, uneheliche Schwangerschaft und die Geburt eines unehelichen Kindes. Für all dies kam man ein bis zwei Jahre ins Spinnhaus. Während ihrer Gefangenschaft mussten sie Wolle kratzen, spinnen und weben. Sie trugen grüne Kleidung. Es waren es wohl in erster Linie ledige Schwangere der Unter- und Armutsschicht, die wegen Unzucht bestraft wurden. Oft war ihnen die Heirat nicht erlaubt, so dass sie die Väter ihrer Kinder nicht ehelichen konnten. Männer, die im Spinnhaus saßen, hatten oft Diebstähle begangen. Beim Großen Hamburger Brand ist das Zuchthaus, damals auch Spinnhaus genannt, vollständig verbrannt. Nur das Portal und die Insassen konnten gerettet werden.

Nach Rita Bake: http://www.hamburg.de/clp/frauenbiografien-schlagwortregister/clp1/hamburgde/onepage.php?BIOID=3783